PROJEKT UAV-basiertes Gletschermonitoring Salzburg
Aufbauend auf bis ins Jahr 2016 zurückreichenden Monitoringaktivitäten werden ausgewählte Gletscher der Salzburger Tauern systematisch in hoher räumlicher Auflösung erfasst. Das Projekt kombiniert modernste UAV-basierte Laserscanning-, Fotogrammetrie- und Georadar-Technologien, um Veränderungen von Gletschern nicht nur sichtbar zu machen, sondern präzise zu quantifizieren.
Im Fokus des Projekts stehen die vier Gletscher Stubacher Sonnblickkees, Ödenwinkelkees, Venedigerkees und Untersulzbachkees. Während UAV-Laserscanning und -Fotogrammetrie die hochpräzise, flächendeckende 3D-Erfassung der Gletscheroberflächen ermöglichen, liefert UAV-gestütztes Georadar erstmals hochaufgelöste Informationen zur Eismächtigkeit und zum subglazialen Relief mit einer bislang unerreichten Dichte an Messpunkten. Damit wird eine zentrale Wissenslücke geschlossen: die direkte, berührungslose Bestimmung von Eisvolumen und Wasseräquivalenten.
Ein besonderer Mehrwert liegt in der Verknüpfung mit bestehenden Langzeitdaten. Durch die Integration historischer UAV-, Photogrammetrie- und ALS-Datensätze können jährliche Veränderungen präzise quantifiziert und in einen mehrjährigen Kontext gestellt werden. So entstehen robuste Zeitreihen zu Flächen-, Höhen- und Volumenänderungen – eine zentrale Grundlage für die Bewertung klimabedingter Entwicklungen.
Die Ergebnisse werden in Form von hochaufgelösten Differenzkarten, Kennwerttabellen, Orthofotos und Animationen aufbereitet. Sie machen die Dynamik der Gletscher unmittelbar nachvollziehbar und liefern eine belastbare Basis für wasserwirtschaftliche Fragestellungen, Risikobewertungen und strategische Entscheidungen (z.B. im Tourismus) im Umgang mit dem raschen Wandel der alpinen Kryosphäre.
Das Projekt baut auf einer mehrjährigen Entwicklung auf: Während seit 2016 die Messung der Oberflächenänderungen der Gletscher im Mittelpunkt stand, markiert das Jahr 2024 eine entscheidende methodische Erweiterung – mit erstmals systematischen Georadarmessungen zur Erfassung der Eismächtigkeit am Stubacher Sonnblickkees. Ab 2025 wurde dieser Ansatz u.a. auf das Ödenwinkelkees übertragen, räumlich deutlich erweitert und in ein integratives 3D-Monitoringkonzept überführt. Das aktuelle Projekt stellt damit keinen Neubeginn dar, sondern die konsequente Weiterentwicklung und Integration eines über Jahre aufgebauten Datensatzes und Methodenspektrums.
Die bis dato durchgeführten kombinierten Oberflächen- und Untergrundmessungen zeigen für das Stubacher Sonnblickkees aktuell ein Eisvolumen von rund 4,3 Mio. m³ auf. Allein seit der ersten flächendeckenden 3D-Erfassung der Gletscheroberfläche im Jahr 2008 (amtliche ALS-Befliegung) verlor der Gletscher rund 83 % seines Volumens (-20,7 Mio. m³). Gleichzeitig verringerte sich die mittlere Eismächtigkeit um rund zwei Drittel auf nur noch 6,9 m. Die aktuell mächtigsten Eisbereiche erreichen nur mehr rund 25 m. Auch das deutlich größere Ödenwinkelkees weist bereits massive Verluste auf: Das aktuelle Eisvolumen beträgt rund 42,8 Mio. m³, was einem Rückgang von rund 40,5 Mio. m³ (-49 %) seit 2008 entspricht. Die aktuellen Analysen zeigen zudem eine deutliche Beschleunigung der Abschmelzdynamik. Besonders die außergewöhnlich warmen Jahre 2022 und 2024 führten zu überdurchschnittlich hohen Volumenverlusten. Zwischen 2023 und 2025 verlor das Stubacher Sonnblickkees durchschnittlich rund 1,8 Mio. m³ Eis pro Jahr, das Ödenwinkelkees rund 3,7 Mio. m³ pro Jahr.